Bericht vom CSD in Paris am 26.6.2021

 

Stellungnahme der „Résistance Lesbienne“ über den Paris Pride 2021

 

Unser Statement über lesbophobe Angriffe während des Paris Pride

 

(ins Deutsche übersetzt* aus der englischen Übersetzung, wie veröffentlicht von WHRC London im Newsletter vom 07. Juli 2021)

 

 

 

Wir, lesbische Radikalfeministinnen, haben eine Widerstandsgruppe gegen patriarchalen Terrorismus und gegen die Auslöschung von Lesben durch die queeren und GBT-Gruppen gebildet. Zu einer Zeit, wenn Männer mit der simplen Erklärung in für Frauen reservierte Räume (Sport, Gefängnisse, Frauenhäuser) eindringen können, sie „fühlten sich als Frau“; wenn pharmazeutische und chirurgische Lobbygruppen Teenager dazu überreden, verstümmelnde Operationen an sich vornehmen zu lassen, um ihre völlig gesunden Körper zu modifizieren, was der Mehrheitsgesellschaft offenbar gleichgültig ist, weigern wir uns, die Debatte zwischen queeren TheoretikerInnen und Radikalfeministinnen auf die LGBT-Community zu beschränken. Wir haben uns entschlossen, am Samstag, dem 26. Juni an der Spitze des Paris Pride March zu laufen, um unsere Forderungen sichtbar zu machen, welche nicht mehr und nicht weniger sind als die Forderung nach Respekt vor unseren Körpern, unserer Sexualität, unserer Moral und unserer physischen Integrität.

 

In einer schwesterlichen und wachen Atmosphäre marschierten wir mit unseren Transparenten, unseren Slogans und unserem feministischen Mut im Geiste der Gewaltlosigkeit und mit dem einzigen Ziel, unsere Forderungen sichtbar zu machen. Das ist unser Recht in einer Demokratie, um so mehr an dem Tag des Pride, der die Stärke unserer Kämpfe als weibliche Homosexuelle in einer immer noch hetero-patriarchalen Gesellschaft repräsentieren soll.

 

Wir waren uns sicher, dass wir unter den gegebenen Bedingungen die Möglichkeit haben würden, unsere Forderungen zu artikulieren, aber wir wurden leider physisch und psychisch angegriffen, als wir es wagten, die queere Ideologie in Frage zu stellen. Als wir vor einer Polizeikette halt machen mussten, näherten sich uns zwei Männer, die offenbar „Trans Frauen“ waren, starrten uns zunächst drohend an, bis einer von ihnen eines unserer Transparente ergriff und mit Gewalt herunterriss. Auf dem Transparent stand: „Lesben brauchen Feminismus, keine verstümmelnde Transition“. Einer von ihnen, der unsere Bitte nach Beruhigung ignorierte und unseren Wunsch nach Abstand zurückwies, setzte seine gewalttätigen Handlungen fort und schlug einer von uns auf den Arm, sodass die Polizei, welche sich zunächst zurückgehalten hatte, intervenieren musste, um ihn von unserer Gruppe zu trennen. Obwohl wir schockiert waren, waren wir uns weiter unserer Rechte bewusst und wollten zeigen, dass uns kein patriarchaler Terrorismus mundtot machen oder in die Knie zwingen kann. Allerdings setzte das zweite Individuum seine Provokationen fort, indem er unseren Gesichtern und Körpern so nahe kam, dass wir ihn warnten, ihn durch Ausstreckung unserer Arme wegzustoßen. Und wieder, trotz unserer Forderungen, setzte er sein Gebrüll mit einem leeren, hasserfüllten Blick fort, sodass wir uns bedroht fühlten. Wir waren an der Spitze des Zuges nicht mehr unter uns. Mehrere Lesben hatten sich uns schon seit geraumer Zeit angeschlossen und stimmten gemeinsam mit uns in die Slogans ein, aber die Intervention der zwei Individuen schaffte eine Atmosphäre des Terrors, die sich noch verschärfte, als diese Transaktivisten andere hinzuriefen, ebenfalls zu intervenieren und uns aus dem Pride March hinauszuwerfen. Sie gingen zur Polizei und baten sie, uns aus dem Zug zu entfernen, weil wir diskriminierende Kommentare abgeben würden, obwohl wir lediglich sagten, wir seien Lesben, die nicht auf Penissen stehen. Sie ignorierten auch die Aufforderung der Polizei, Ruhe zu bewahren und fingen damit an, viele Leute um uns zu scharen, die uns ausbuhten, beleidigten und Drohgebärden machten. Zu diesem Zeitpunkt entschlossen wir uns aus Sorge um unsere Sicherheit, den Zug zu verlassen. Nach diesem Entschluss stellten wir fest, dass wir richtig gehandelt hatten, denn wir fanden zu unserem Schreck Veröffentlichungen von Trans identifizierten Männern in den sozialen Netzwerken, die ihr Bedauern darüber ausdrückten, nach der Ankunft auf dem ‚Place de la République‘ (dem Ende des Marsches) nicht die Gelegenheit gehabt zu haben, uns zusammenschlagen zu können.

 

Aber die Gewalttätigkeit und Einschüchterung war nicht vorbei; sie setzte sich im Internet fort. Außer Vorwürfen von „Transphobie“ wegen unserer Slogans „eine nicht-feminine Frau ist kein Mann“ und „ein Mann im Rock ist keine Frau“, vernahmen wir Aufrufe zu „öffentlicher Denunzierung“ sowie Drohungen, uns aufzuspüren und „Transfem“-Netzwerke ins Leben zu rufen, die Aktionen gegen uns initiieren würden. Konfrontiert mit dieser Realitätsverzerrung, in der die, welche ihre Rechte verteidigen, und besonders das Recht, die unsere Realität abbildenden Begriffe „Frau“, „Lesbe“, „homosexuell“ oder „sexuelle Orientierung“ weiter zu verwenden, zum gewalttätigen Aggressor werden, wollten wir die Wahrheit wiederherstellen, weil, was auch immer die Drohungen, die Einschüchterung, die Diffamierung sein mögen, wir uns weigern, zu schweigen.

 

Darüber hinaus, obwohl unsere Angreifer weiße Männer waren, und obwohl wir Radikalfeministinnen aller Hautfarben sind, Europäerinnen und Nicht-Europäerinnen,  verbreiteten sie in den sozialen Netzwerken, dass wir lediglich rassistische weiße „Kalk-Gesichter“ seien. Das hatte zur Folge, dass einige von uns, afrikanisch Stämmige, Nordafrikanerinnen und Asiatinnen, sich als Radikalfeministinnen und als rassifizierte Frau mit Migrationshintergrund ignoriert und ihres Rechts auf Meinungsäußerung beraubt fühlten.

 

Generationen von Frauen haben für ihr Recht gekämpft, ihren Körper kennen zu lernen und mit ihm zu leben, ihre sexuelle Orientierung bestätigt zu sehen und die Worte zu finden, welche unsere Unterdrückung und die Gewalt beschreiben, die Männer uns antun. Wir werden Männern nicht gestatten, uns diese Rechte wegzunehmen samt unserer politischen und materiellen Existenz: Lesben existieren und wir haben keine Angst davor, unsere Meinung zu sagen.

 

Angesichts des aufbrechenden Hasses, den wir seit unserer Aktion erleben, und angesichts der seitens unserer Angreifer verbreiteten verleumderischen Behauptungen, wir seien schikanös (wir erlauben uns, dies in Zweifel zu ziehen), verurteilen wir das Schweigen der Medien, die sich mitschuldig machen. Wir verurteilen auch die unanständige Unterstützung, die unseren Angreifern durch verschiedene „feministische“ und LGBT-Organisationen trotz des Videos gegeben wird, obwohl dieses klar die wahren Begebenheiten erkennen lässt. Wir fordern nicht nur eine Entschuldigung sondern auch öffentliche Unterstützung.

 

Wir fordern nicht Unterstützung für unsere Forderungen, sondern für die Anerkennung der Gewalt, die wir erfahren haben und immer noch als Lesben und Frauen erfahren. Wir haben den Eindruck, dass misogyne Angriffe auf Radikalfeministinnen unbestraft bleiben, was nicht hinnehmbar ist. Unser Angreifer und die Queers behaupten Cyber-Belästigung durch Radikalfeministinnen: Lasst ihnen unsere Beweise zukommen, weil wir mehrere Taten aufgenommen haben, die von misogynen Schimpfworten bis hin zu Todes- und Vergewaltigungsdrohungen reichen. Keine JournalistIn hat uns kontaktiert, um unsere Seite der Geschichte zu hören. Ein Artikel in ‚Mediapart’s blog‘, der die Gewalt verurteilte, welche uns angetan wurde, ist sogar zensiert worden. Wir hatten bisher angenommen, dass es, um sich eine objektive Meinung über ein Thema bilden zu können, wichtig, ja sogar notwendig sei, beide Seiten der Medaille zu kennen. Wenn es um Radikalfeminismus geht, scheint das offenbar nicht mehr der Fall zu sein. Wie ist es möglich, dass niemand aus der queeren Community sich getraut hat, die Debatte von vorn zu beginnen? Im Gegenteil, wir hörten von der Presseerklärung einer LGBT-Organisation, in der in verleumderischer und verlogener Manier behauptet wurde, dass unsere Aktion „ein transphober Vorfall war, der vom ‚Collectiv Abolition Porno-Prostitution‘ fortgesetzt werde. Andere, die aktiv danach streben, eine Hexenverbrennung durchzuführen, sind immer noch davon überzeugt, dass Marguerite Stern und Dora Moutot mit dabei waren. Während wir die politische Arbeit beider Frauen anerkennen, versichern wir, dass wir eine autonome Gruppe sind, die sich spontan zusammengefunden hat, um unsere eigenen Themen und politische Ideen zu verteidigen. Und wir wollen ‚Madmoizelle‘, die wahrscheinlich nicht-feminine Lesben seit einer langen Zeit nicht gesehen hat, daran erinnern, dass wir Demonstrantinnen und nicht Demonstranten waren, weil sie sich die Freiheit genommen haben, ihre Schreibweise nicht „inklusiv“ zu gestalten, worauf sie normalerweise viel Wert legen. Das ist kein Zufall und spiegelt sich ständig in der Anrede „Sir“ wider, bevor wir als lesbophob attackiert werden.

 

Wir hoffen, dass sich die LGBT- und „feministischen“ Organisationen, die unsere Angreifer unterstützt haben, darüber bewusst sind, dass sie sich an der Aufforderung zum Suizid, zu den lesbophoben Botschaften und dem Ruf nach Femizid mitschuldig machen, welche wir weiter erhalten.

 

 

 

* Übersetzung aus dem Englischen von Gunda Schumann, Lesbisches Aktionszentrum (LAZ) e.V.